Nach dem Brand ©credo:film/ NDR

Dokumentarfilm, BRD 2012, 50 min, Regie und Buch: Malou Berlin, NDR Redaktion: Barbara Denz

Zielgruppe: ab Klassenstufe 10

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Nach dem Brand

Themen:
Antimuslimischer Rassismus / "Ausländerfeindlichkeit" und "Fremdenfeindlichkeit" (Begriffskritik) / Rassismus / Rechte Gewalt / »Sarrazin-Debatte« / Trauma

 

Inhaltsangabe:
Am 23. November 1992 legen Neonazis in Mölln einen Brand im Haus der türkischstämmigen Familie Arslan. Der siebenjährige Ibrahim überlebt den Brandanschlag, bei dem drei Familienmitglieder sterben: seine Schwester, seine Oma und seine Cousine. 15 Jahre später, kurz vor der Haftentlassung der Täter, beginnen die Dreharbeiten. Die Regisseurin Malou Berlin begleitet die Familie Arslan vier Jahre bei dem Versuch, mit der Trauer und dem Trauma umzugehen. Sie zeigt auf behutsame Weise, in welchem Spannungsfeld sie sich bewegen: zwischen den traumatischen Folgen des Anschlags und dem Wunsch nach einer unbekümmerten Gegenwart. Trotz des Zuspruchs von Verwandten, Nachbar_innen und Freund_innen gibt es für die Familie Arslan keinen normalen Alltag mehr. Der Film lässt uns an ihrem Alltag teilhaben und damit auch an der Auseinandersetzung über ihre persönliche und zugleich politische Geschichte. Nach dem Brand ist das eindrückliche Porträt einer Familie, die zwei Jahrzehnte nach dem Brandanschlag noch immer mit den Folgen der erlebten Gewalt und der Sinnlosigkeit ihres Verlustes ringt.

Für diese Dokumentation bietet sich die Arbeit in Kleingruppen an, da der Film sehr komplex ist und sehr unterschiedliche Themen aufgreift. Die Auswertungsfragen sind daher thematisch gegliedert.

 

Was ist aus pädagogischer Sicht zu bedenken?
Der Dokumentarfilm zeigt, wie Familie Arslan mit den Folgen eines Mordanschlages umgeht. Im Film wird das gesellschaftliche Klima Anfang der 1990er Jahre nur am Rande thematisiert. Zum besseren Verständnis des Films sollte vorab vermittelt werden, welche Atmosphäre gegenüber Flüchtlingen, Migrant_innen und Schwarzen Deutschen in den 1990er Jahren in Deutschland vorherrschte. Hierzu ist es wichtig, Wissen über die Pogrome in Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen und über die damaligen Debatten um die Verschärfung des Asylrechts zur Verfügung zu stellen. Empfehlung: Zur inhaltlichen Vorbereitung empfehlen wir die Fernsehdokumentation Wer Gewalt sät… Von Brandstiftern und Biedermännern (siehe S. 24).

Zur Vorbereitung siehe: www.film-ab-gegen-nazis.de


Regie: Malou Berlin, Kamera: Susanne Dzeik, Ton: Rene Paulikat, Montage: Carsten Does/Sebastian Winkels

 

Film: Nach dem Brand


Arbeitsblatt 11

Beobachtungsaufgaben:

  • Bilden Sie drei Gruppen. Jede Gruppe erhält den Auftrag, sich im Film auf eine Person zu konzentrieren und auf deren Aussagen, Körpersprache, Gesamteindruck zu achten:

•    Vater Faruk Arslan
•    Mutter Hava Arslan
•    Sohn Ibrahim Arslan


Auswertungsfragen:
  • Was beschäftigt Sie besonders, nachdem Sie diesen Film gesehen haben?
  • Wo waren die Familienmitglieder während des Brandanschlags? Was haben sie von der Brandnacht berichtet?
  • Wie hat sich der Brandanschlag auf die einzelnen Familienmitglieder der Familie Arslan ausgewirkt? Wie hat der Anschlag ihr Leben verändert? Welche Konsequenzen haben sie daraus gezogen?
  • Welchen Stellenwert hat die Erinnerung an die toten Familienmitglieder in ihrem Leben? Welche Rolle spielt die Tat für sie?
  • Im Film wird erzählt, dass es jedes Jahr eine öffentliche Gedenkveranstaltung gibt. Wie ist es dazu gekommen? Was denkt die Familie über diese Veranstaltung?
  • Wie reagierten Politik, Polizei und Zivilgesellschaft auf die Tat? Wie gingen sie seitdem mit der Familie Arslan um? Wo hat die Familie Arslan Unterstützung bekommen, wo nicht?
  • Welcher Umgang gegenüber der Familie wäre nach einem solchen Verbrechen Ihrer Meinung nach angemessen?
  • Es hat fünf Jahre gedauert, bis am ehemaligen Wohnhaus der Familie Arslan eine Gedenktafel angebracht wurde. Die Inschrift »Hier starben bei einem Brandanschlag […]« wird von vielen als verharmlosend kritisiert, weil die rassistische Überzeugung der Täter als Tatmotiv ungenannt bleibt. Was würden Sie auf die Gedenktafel schreiben? Wie würden Sie die Tafel gestalten?
  • In diesem Film nimmt die Regisseurin Malou Berlin bewusst ausschließlich die Perspektive der Opfer ein. Hintergründe und Informationen zu den Tätern werden kaum gegeben. Aus welchen Gründen hat sich die Regisseurin möglicherweise zu diesem Schritt entschlossen?


Recherchefragen:

  • Seit 1990 sind nach Recherche der Amadeu Antonio Stiftung insgesamt 183 Menschen Opfer rechter Gewalt in Deutschland geworden. Recherchieren Sie, wer in Ihrem Bundesland Todesopfer rechter Gewalt geworden ist. Was erfahren Sie aus der Chronik über die Ermordeten, was über die Täter_innen und ihre Motive?
  • In den offiziellen Statistiken ist eine deutlich niedrigere Opferzahl zu finden. Hier wird von 63 Opfern rechter Gewalt ausgegangen. Medien, Opferberatungen und Politik kritisieren seit langer Zeit, dass die offiziellen Angaben die tatsächliche Dimension der Gewalt rechtsextremer und rassistischer Tötungsdelikte nicht widerspiegeln. Was könnten Gründe für diese Differenz sein?
  • Wenn ein Vorfall passiert ist und die Polizei ermittelt, wer sollte Ihrer Meinung nach definieren, wann es sich um rechtsextreme bzw. rassistische Gewalt handelt? Woran würden Sie das festmachen?
  • Die aufgeführten Tötungsdelikte sind die Spitze des Eisbergs. Körperliche Übergriffe, Zerstörung von Eigentum, Beleidigungen und Beschimpfungen sind vielerorts an der Tagesordnung. Verschaffen Sie sich einen Überblick auf der aktuellen »Chronik der Gewalt«: www.mut-gegen-rechte-gewalt.de
  • Als Folge der rassistischen Übergriffe in Mölln und Hoyerswerda wurde in den 1990er Jahren der Hilfefonds CURA gegründet, um die Opfer rechter Gewalt zu unterstützen. Wer wird gefördert und wie finanziert sich CURA? www.opferfonds-cura.de
  • Recherchieren Sie, wo Menschen in Ihrem Bundesland Unterstützung und Beratung finden können. Laden Sie eine Mitarbeiterin, einen Mitarbeiter einer Opferberatungsstelle in Ihre Klasse ein oder besuchen Sie die Beratungsstelle.
  • Wann und in welchen Formen taucht Rassismus auf? Ist Ihnen Rassismus bereits begegnet?
  • Diskutieren Sie folgende Begriffe: Sind Rassismus und Fremdenfeindlichkeit das Gleiche?

 

 

Arbeitsbogen hier herunterladen

 

 

Interviews und Artikel zum Film

»Wir sind keine Statisten, sondern müssen die Hauptdarsteller sein«
Interview mit Ibrahim Arslan von Nina Schulz in: Neues Deutschland.

Ibrahim Arslan über den Anschlag von Mölln in der taz: „Wir waren der Schandfleck“

„Wir müssen das Erinnern erkämpfen“ Interview vom 06.11.2012 mit Ibrahim Arslan auf Laut gegen Nazis

Jörg Meyer und Maike Zimmermann:
Aus den Augen verloren. Mit dem Gedenken hat man sich in Mölln lange Jahre schwer getan

Imran Ayata: Rede zur Gedenkfeier des Brandanschlages Mölln gehalten am 23. November 2011 in Mölln

Maris Hubschmid: 20 Jahre Mordanschläge, erschienen im Tagesspiegel: Der Junge, der das Feuer von Mölln überlebte

Anna Brausam auf Mut gegen Rechts: Die Erinnerung zurück erkämpfen